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Hochzeit an Weihnachten

Hochzeit unter dem Weihnachtsbaum – es war der schönste Tag in meinem Leben

Als die Kerzen hell aufschimmerten sagten wir „Ja, ich will“

Das war eine tolle Idee: „Weißt Du was, wir heiraten Weihnachten, unter dem Weihnachtsbaum wenn alle aus der Familie da sind, wenn alle Ferien haben, wenn alle kommen können“. Mein damaliger Verlobter (und späterer Ehemann) war ganz aufgeregt, als wir über unseren Hochzeitstermin sprachen. Eigentlich war der Monat Mai, der traditionelle Liebesmonat eingeplant, doch bei unserer Freundin Ruth hatte es an ausgerechnet ihrem Hochzeitstag im Mai toll geregnet. Mairegen soll ja Segen bringen, doch wir fanden die „Klimaveränderung“ nicht so witzig. Also im Sommer? Da ist es vielleicht zu heiß, oder die Wolken ballen sich zum Gewitter zusammen. Und ob das ein gutes Omen für eine Ehe ist?
Also, wann dann? Am liebsten morgen schon, doch wir wollten ein großes und schönes Fest. Das wollten unsere Eltern auch, meine und seine Eltern. Es sollte ein richtig schöner und ehrenvoller Tag werden, ohne Kleidersorgen, ob zu warm oder zu kalt, ohne Regenangst, so richtig gemütlich also.

Warum also nicht Weihnachten? Alle Argumente sprachen dafür. Geschenke gab es ohnehin, da konnten wir auch unsere Hochzeitsliste ganz offenherzig auslegen, um sinnvolle Geschenke zu bekommen. Ich, die Braut, konnte ein aufregend schickes Kleid tragen, ohne frösteln zu müssen, denn in manchen Kirchen ist es auch im Sommer ziemlich kühl. Und, und…Die Gründe, Weihnachten zu heiraten, verdichteten sich immer mehr.

Und weil ein Cousin von mir Priester ist, ließ er sich sogleich überreden, wenn er anschließend beim Weihnachts-Hochzeitsmahl auch seine eigene Gans bekam. Typisch für diesen Vielfraß. Aber das sagten wir ihm mit Freude zu. Also machten sich alle an die Vorbereitungen. Meine großen Geschwister suchten einen riesigen Weihnachtsbaum aus, der in die hohe Altbauwohnung mit Stuckdecke prima hineinpasste. Vater zückte seinen Geldbeutel, denn er wollte endlich seine roten Weihnachtskugeln am Baum hängen sehen, gegen die sich Mutter aus Gründen der „Tradition“ bisher gewehrt hatte. „Rot ist die Farbe der Liebe“ argumentierte Vater und grinste, und wir Kinder gaben im Recht.

Der Baum schien wie gewachsen in Form und Höhe mit breit ausladenden Zweigen für den Erker, das große Wohnzimmer wurde noch größer, indem die weiten Flügeltüren zum Esszimmer ausgehangen wurden, im langen Flur standen die Tische, ausgeborgt von Nachbarn und Freunden, über der Haustüre hatte meine Schwester aus Zweigen mit weißen Schleifen und roten Weihnachtskugeln ein wunderschönes Hochzeits-Weihnachtsgebinde gebastelt, die Treppen wurden mit Teppichen ausgelegt, und unser Priester-Cousin bereitete sein spezielles „Hochzeitstischchen“ vor dem nun wunderschön geschmückten Weihnachtsbaum vor. Der Frechdachs sah in seinem Priestergewand, natürlich trug er weiß, sogar sehr ehrwürdig aus, mein Hochzeitskleid machte Furore, mein Bräutigam starrte mich liebevoll an, als mein Vater mit mir durch die Wohnzimmertüre trat. Doch da war noch etwas!

Denn eigentlich war es natürlich keine kirchliche Hochzeit: Das katholische Kirchenrecht sagt zwingend für eine Hochzeit, die ja ein Sakrament ist, vor, dass das Ja-Wort in einer Kirche mit Zeugen auszusprechen ist. Das hatten wir schon hinter uns, ganz feierlich auch diese Ja-Worte, wie es sich gehört. Doch die eigentliche Feier, die sollte mit einem erneuten Eheversprechen und einer Segnung bestätigt werden, wie uns der Pfarrer ausdrücklich gemahnt hatte. So war er natürlich auch geladen und freute sich über diese „Doppelhochzeit“ und fand es eine gute Idee.

So „heirateten“ wir denn nochmals unter dem Weihnachtsbaum nach dem Motto: „Doppel genäht hält besser“. Und darum hatte ich auch zwei Hochzeitskleider aussuchen dürfen, ein warmes für die Kirche der Jahreszeit gemäß, das zweite für die „Weihnachtshochzeit“. Doch meine Eltern waren großzügig, und das Fest wurde unvergesslich. Bis heute. Die Weihnachtskerzen verbreiteten einen warmen Schein, alle waren ehrfürchtig und gut gelaunt, und unsere nun wiederholten Ja-Worte hallten fröhlich durch das Haus, und Hoffnung machte sich breit, dass diese Ehe halten sollte. Sie hielt und hält immer noch. Aha!