Eine reiche Bäuerin war schon in ganz jungen Jahren Witwe geworden. Lange Zeit dachte sie nicht daran, sich wieder zu verheiraten, denn sie glaubte, dass die Heiratskandidaten mehr an ihrem reichen Besitz als an ihren schönen blauen Augen interessiert wären.
Ihren Hof versorgte sie ganz allein, nur zusammen mit einem Knecht, einem ruhigen, zuverlässigen jungen Mann. Sie mochte ihn sehr gern und konnte sich gar nicht mehr vorstellen, ohne ihn auszukommen. Und so kam es dazu, dass sie ihn heiraten wollte. Aber wie sollte sie ihm das klarmachen? Sie als Frau konnte ihn schwerlich fragen, und er ließ sich nichts anmerken. Es war ja nicht so, dass er nicht gewollt hätte, aber dass ein Knecht bei seiner Herrin sein Glück versuchte, das kam zu dieser Zeit überhaupt nicht vor.
Und so geschah nichts. Dann aber kam der Dezember. Am Vorabend des Nikolaustages schaute die Bäuerin ihren Knecht ganz schelmisch an:
„Wie wäre es, wenn du einmal wie früher deine Schuhe vor den Kamin stelltest. Es könnte ja sein, dass Sankt Nikolaus dieses Jahr etwas für dich im Sack hat.“ Doch der junge Mann wollte gar nichts davon wissen und brummte nur: „Alles Unsinn!“ Doch die Bäuerin redete solange auf ihn ein, bis er schließlich nachgab, und so kamen die Holzschuhe an den Kamin.
Als der Knecht aber am anderen Morgen gähnend und noch recht verschlafen in die Küche trat, hatte er die ganze Sache schon wieder vergessen, bis er die Bäuerin sah. Die stand ganz verlegen mit hochrotem Kopf splitternackt neben dem Kamin in seinen Holzschuhen, die ihr natürlich viel zu groß waren. Sie brauchte kein Wort zu sagen, und es dauerte nicht lange, so wurde eine Hochzeit gefeiert.
geschrieben von Redaktion am 15. Dezember 2009








