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Gold - und Silberbrokate zierten das Hochzeitskleid im Mittelalter
Brautkleider wandelten sich in Europa bis heute
Von Dorothea F. Voigtländer
Von sehr großer gesellschaftlicher Bedeutung war die Ausstattung der Braut im Mittelalter, und vor allem das Hochzeitskleid, das bei den Reichen prachtvoll verzierte Stoffe präsentierte, Stoffe aus Gold- oder Silberbrokat. Kostbar waren die wunderschönen und kunstvollen Stickereien, Halbedelsteine oder gar ganz echte Edelsteine von großem Wert zierten in Grün, Rot oder in Blautönen das prachtvolle Gewand, mit dem die Braut zum Traualtar schritt. Doch nicht nur im Kleid, auch das Haar war überaus kunstvoll frisiert und mit Schmucksteinen ein Augenfang für alle, die bei der Hochzeit dabei sein wollten und sollten. Für die Brauteltern war die Ausstattung der Braut ein großes finanzielles Abenteuer, hatte das das Brautkleid in jener Zeit eine sehr große gesellschaftliche Bedeutung. Denn damit bewies die Brautfamilie ihren Reichtum, ihre Macht und ihre Stellung in der Gesellschaft.
Bei den Adeligen oder später auch schon bei den reichen Handwerkern wurde nicht selten das Familienwappen in das Brautkleid eingenäht, was kunstvolle Hände verlangte und lange Vorbereitungen bedeutete. Adel und Bürgertum, sie gehörten zur obersten Gesellschaftsschicht und ließen es sich nicht nehmen, auch Schulden zu machen, nur um das Hochzeitskleid entsprechend reich und wunderschön zu gestalten. Noch heute weiß man, dass Bianca Maria Sforza zu ihrer Vermählung mit Maximilian I. ein flammend rotes Brautkleid mit entsprechenden Verzierungen trug.
En vogue waren in höfischen Kreisen Europa mantelartige Obergewänder. Das Oberteil nannte man Mieder oder Taille. Ab etwa 1475 zeigte ein tiefes, spitzes Dekolleté mit Brusteinsatz, was die Braut zu bieten hatte. Ein schöner Rücken konnte dann mit rundem Rückenausschnitt entzücken.
Es war in der Zeit der Renaissance in Italien, wo großzügige Dekolletés in Mode waren. Die Taille wurde einige Zentimeter tiefer angesetzt, das Mieder des Obergewandes sprang nach vorne hin auf und wurde dann geschnürt, denn Schlankheit der Taille war das große Plus. In dieser Zeit entstand auch der Medici-Kragen, der am zarten Nacken fächerförmig hoch stand und der Braut ein vornehmes Aussehen gab.
Im 16. Jahrhundert hielt dann die Modefarbe Schwarz, inspiriert vom spanischen Hof, Einzug auf dem Heiratsmarkt. Modische dunkle Kleider mit langer Schleppe und vielen Spitzen waren sehr gefragt, dörflicher waren dazu bestickte Schürzen, mit bunten Bändern verziert. Der Mittelstand hatte besonders viel Freude an diesem Kleid, denn es konnte leicht gereinigt werden und wurde zu großen Festen aus der Truhe geholt. Auf den Lande und bei den sozial schwächeren waren festliche Trachten angesagt, bis dann gegen Ende des 18. Jahrhundert das weiße Brautkleid zunächst nur vereinzelt ausgewählt wurde, da es nur für diesen einen tag gedacht war. Die Fürstenhöfe konnten sich als erste weiße Brautkleider leisten, bis es dann sämtliche Bevölkerungsschichten erreichte. Das Oberteil war eng, ein geschnürtes Korsett formte eine schlanke Taille.
Zum Beginn der 20er Jahre änderte der Charleston-Stil die weiße Silhouette, lang und schmal waren die Brautkleider geschnitten, hoch geschlitzt durften die Beine hervorblitzen. Als dann in den 50er Jahren der Petticoat groß in Mode war, schlüpften die Bräute in weitschwingende Röcke, bis dann auch das kurze Brautkleid in der Mini-Moden-Zeit der 60er Jahre „in“ war. „Back to Romanze“ hieß es dann in den 80er Jahren, Rocksäume wurden länger, die Kleider wurden wieder bestickt wie jene cremefarbene bodenlange Robe von Lady Diana.
Heutzutage findet jede Braut „ihr“ Brautkleid nach ihrem Geschmack: ob kurz oder lang, ob weit ausgestellt oder im Empire-Stil, es sind Kleider aus unterschiedlichen Materialien nach dem Motto: Erlaubt ist, was gefällt, das gilt auch für Hosenanzüge. Und das gilt auch für die Farbe, ob weiß, kobaltblau oder purpurrot, das Modediktat hat ausgedient, die Braut entscheidet, in welcher Modeart sie zum Ja-Wort schreitet.