Hochzeitsbrauch: Baumstammsägen

Alter Hochzeitsbrauch wieder in - Baustammsägen schweißt Eheleute zusammen – sagt man


Seit wann sich das Baumstammsägen als fröhlicher Brauch in die Heirats- und Hochzeitsszene eingebürgert hat, lässt sich auf die Schnelle gar nicht einmal sagen, aber dass diese sinnstiftende Nummer mittlerweile auch in Gebieten nördlich der Donau oft zum festen Bestandteil eines Hochzeitsfestes von seinen Organisatoren eingebaut wird, ist unbestritten.

Ursprünglich fehlte das Baumstammsägen in der Schweiz und auch im Süden Deutschlands als traditioneller Brauch bei keinem Hochzeitsfest. Nicht zuletzt bedingt durch die waldreichen Gebiete, in denen Bäume einfach auch zu überwinden waren, wollte man zum Beispiel  – vor allen Dingen über Abkürzungen - von A nach B.

Baumstammsägen

Heutzutage wird dieser Brauch, der besonders zum Vergnügen der zuschauenden und anfeuernden Gäste und weniger zum Vergnügen des sägenden, frisch gebackenen Brautpaares ausgeführt wird, unter anderem deshalb praktiziert, weil sich ein erfolgreich abgesägtes Stück nur dann erreichen lässt, wenn beide Eheleute im gleichmäßigen Rhythmus die Säge hin und her bewegen. Erschwert wird die Sache natürlich noch durch eine ganz besonders stumpfe Säge. Ergo darf sich keine Seite erlauben, den „Ritsche-Ratsche“ Rhythmus zu stören.

Trotzdem wird natürlich durch das Gelächter der Umstehenden und das übermütige Gesäge der Brautleute manche Minute durch fröhliches Lachen vertan….Wenn es allerdings dann dem Ende zugeht und so ganz nebenbei der Gewinner ja schließlich derjenige ist, der mit dem letzten Zug den Baumstamm zur Gänze durchgesägt hat, wird oft die schweißtreibende Arbeit dann doch noch einmal recht verbissen.

Die Gäste tun das Ihre dazu und feuern Braut und Bräutigam immer mehr zur Eile an. Und natürlich gibt heutzutage  eine emanzipierte Braut auch nicht mehr so ohne Weiteres ihren Erfolg preis. Also sägt man „um die Wette“ was das Zeug hält und der Jubel ist dann groß, wenn mit dem letzten Zug der Sieger fest steht!

Baumstamm Sägen

Allerdings sagt den Zuschauern dieser Brauch auch noch etwas anderes über die Beziehung der Brautleute aus: nämlich wer in Zukunft mehr noch das Sagen haben wird. Ähnlich dem Hochzeitstortenanschneiden, bei dem derjenige, der die Hand oben hat nachgesagt wird, er habe später in der Ehe das Sagen, gilt dies auch beim Baumstammsägen: wer hierbei den Ton angibt und die Sache ordentlich voran treibt, der habe dann auch in der Ehe das Sagen – so jedenfalls mimt es uns der Brauch.

Trotzdem steht das Baumstammsägen ebenso für den klaren Hinweis auf ein Miteinander in allen Lebenslagen und die stumpfe Säge symbolisiert zusätzlich schwierige Zeiten, durch die man halt hindurch muss und das möglichst miteinander!!

 

Text & Fotos Ulrike Luecke-Bongartz



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